Marcel Hörler

Portrait

«Es gibt nichts menschlicheres als die Kunst. Wäre Kunst nichtmenschlich, wäre sie nicht Kunst. Aber nicht alles ist Kunst, nicht wahr? Darum ist die Frage nach der Qualität und der Vermittlung von Kunst besonders spannend, weil dadurch der Fokus auf der Beschaffenheit liegt und so eine gehaltvolle Auseinandersetzung mit einem Thema ermöglicht wird.»

Marcel Hörler ist freier Kurator und Kulturvermittler. Er lebt und arbeitet in Zürich und Lichtensteig. Seine kuratorische Praxis zeichnet sich durch eine kollaborative Arbeitsweise aus und lebt von unbequemen bis hin zu teils sperrigen Gegebenheiten. Antrieb ist das Interesse an kulturellen Praktiken. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof im Appenzellerland, als Sohn einer Floristin, Hausfrau und eines Lastwagenfahrers. Er hält einen Bachelor in Soziale Arbeit mit Vertiefung in Soziokultur der Hochschule Luzern und der Hochschule Den Haag und ist seit mehreren Jahren in unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern tätig. Zurzeit studiert er im Master Art Education Curatorial Studies an der Zürcher Hochschule der Künste. 

Marcel Hörler ist Co-Gründer der Dogo Residenz für Neue Kunst und Mitherausgeber des HOX Magazin. Ausserdem ist er Co-Gründer der Agentur für permanente Verhandlung, welche den institutionellen Rahmen für vielfältige Produktionen in den Feldern Kunst und Kulturvermittlung bildet. Sie verfolgt diskursive, kollaborative und transdisziplinäre Ansätze. Die Herstellung einer Öffentlichkeit steht im Zentrum ihrer Arbeit. Dabei scheut sie Konflikte nicht, sondern arbeitet aus ihnen heraus und realisiert konkrete Projekte. Sowohl die Reibung zur Welt als auch die kritische Auseinandersetzung mit bedeutungsvollen Themen sind die Treiber der Agentur für permanente Verhandlung.


Portfolio

VEE

Seit jeher gehören Verwandlungen zu den kulturellen Praktiken, die faszinieren und zugleich verstören. Ein Lebewesen, das plötzlich innehält, sich scheinbar selbst zerstört und als vollkommen neues Geschöpf aufersteht. Von den privilegierten Gottheiten der vorchristlich polytheistischen Religionen über phantastische Mischwesen – halb Mensch, halb Tier – aus Sagen, Märchen und Fantasy bis hin zu komplexen Verwandlungsbildern und -geschichten in der Literatur, die Beziehung zwischen Menschen und Tieren ist ein oft behandeltes Thema. Im Zuge der jüngsten technologischen und medizinischen Fortschritte, die es erlauben, Körper nach Belieben zu verändern, Organe zwischen Menschen und Tieren auszutauschen oder menschliche Zellen in Tieren zu züchten, erhalten Fragen über eine gemeinsame Zukunft von Menschen und Tieren eine neue Dringlichkeit. Für die Ausstellung VEE (23.05. – 03.10.2020) und vor dem konkreten Hintergrund des Landwirtschaftsbetriebs Hof Blum nahmen Badel/Sarbach, Benjamin Egger, Ernestyna Orlowska, Fridolin Schoch, Ina Weise und Patrick Ostrowsky installative, skulpturale und performative Eingriffe vor. Performances, Screenings und Shows von Daniela Ehrsam, Ivy Monteiro, Maya Rochat und Soya The Cow begleiteten die Vernissage und die Finissage. Ausserdem wurde die Ausstellung durch Hofgespräche und Mimikry-Workshops erweitert. VEE entstand in Zusammenarbeit mit Jakob Lienhard (Grafik), Valérie Hug (Redaktion) und Martin Blum (Infrastruktur).

Vernissage VEE

Vernissage. Photo: Stefan Tschumi

Fire Sight

Patrick Ostrowsky, FIRE SIGHT, 2020. Photo: Stefan Tschumi

Daniela

Daniela Ehrsam, Aerial Hoop Show. Photo: Stefan Tschumi

Soya

Soya The Cow, My joy, my choice, my juices, 2020. Photo: Stefan Tschumi

Benjamin Egger

Benjamin Egger, my body is because of dogs, 2020. Photo: Benjamin Egger

Badel/Sarbach, Hotties in the Neighborhood, 2020. Photo: Mischa Schlegel

Ernestyna2

Ernestyna Orlowska, I’ve Been Feeling It Too (Chicken Farm Version), 2020. Photo: Stefan Tschumi

Ernestyna Orlowska, Nursing Tops & Mum Utility Pants, 2020. Photo: Mischa Schlegel

Fridolin Schoch, Knot Gathering, 2020. Photo: Stefan Tschumi

Ina Weise

Ina Weise, 0,000005483149859%, 2020. Photo: Mischa Schlegel

Ivy

Ivy Monteiro, Tituba.2Point.OH!, 2020. Photo: Mischa Schlegel

Finissage VEE

Finissage. Photo: Mischa Schlegel

Plateaux Festival

Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr nur eine Frage ökologischer Umstände wie Klimawandel, geografischer Besonderheiten oder Agrartechnologien, sondern eine Frage von Produktion und Konsum. Das Plateaux Festival hat zwischen dem 20. April und 7. September 2019 Künstler*innen eingeladen, um im Rahmen des Landwirtschaftsbetrieb Froh Ussicht unter dem Titel «Werte schaffen» Fragen und Lösungen der Nachhaltigkeit zu behandeln. Ausserdem wurden Gäste* eingeladen, die mit einer Carte Blanche die Thematik des Festivals aufgriffen und Unerwartetes über kuratierte Performances, Filmabende, Installationen und Aktionen in das Festival einfliessen liessen. Das Festival wurde, nach Einladung durch Martin Blum, in Kollaboration mit Mateo Chacon-Pino, Lydia Perrot und Lisa Li konzipiert. Das Kunstvermittlungsangebot wurde von Seline Fülscher gestaltet. Mit künstlerischen Beiträgen von Artist Organizations International, Aurélie Strumans, Bergkrautsyndikat*, Carina Erdmann & Anna Kindermann, Johanna Bruckner, Johanna Kotlaris, Kunsthaus Aussersihl*, Kunst Du*, Martina Mächler, Matthew C. Wilson, Nino Baumgartner, San Keller, Simon Würsten Marin, Thomas Geiger, Violeta Burckhard Razeto*, Wagner & Friends mit Carlos Fernández* und Yael Wicki.

Economies

Johanna Kotlaris, Economies, 2019. Photo: Samirah Hohl

Song Book

Song Book, San Keller, 2019. Photo: Alicia Olmos Ochoa

Druckfrische Wassermelonen

Aurélie Strumans, Green verticality to a red fiction, 2019. Photo: Alicia Olmos Ochoa

Shortcut

Nino Baumgartner, Shortcut, 2019. Photo: Alicia Olmos Ochoa

Do Some Agrofit

Carlos Fernández, Do Some Agrofit, 2019. Photo: Juliette Chretien

Kunsthalle3000

Thomas Geiger, I Want To Become a Millionaire Talks, 2019. Photo: Sandino Scheidegger

Kunsthaus Aussersihl, Aktion 016: im Gjätt, 2019. Photo: Marcel Hörler

Johanna Bruckner

Johanna Bruckner, Körper ohne Währung, 2019. Photo: Samirah Hohl

Simon Würsten Marín, Wenn Kunst Landschaft gestaltet, 2019. Photo: Samirah Hohl

Dogo Residenz für Neue Kunst

Die Dogo Residenz für Neue Kunst ist eingebettet in das Rathaus für Kultur in Lichtensteig. Kunstschaffende aus dem In- und Ausland erhalten jährlich ein Förderstipendium. Die ausgewählten Künstler*innen stehen am Anfang ihrer Laufbahn und erhalten die Möglichkeit sich professionell weiterzuentwickeln. In der Dogo Residenz für Neue Kunst wird ortsspezifische Kunst produziert. Die künstlerischen Prozesse, sowie die entstandenen Arbeiten sind im öffentlichen Online-Archiv dokumentiert. Unter dem Jahr organisiert Dogo gemeinsam mit den Kunstschaffenden Veranstaltungen, wie Gesprächsrunden oder experimentelle Vermittlungsformate. Ein weiterer Bestandteil von Dogo ist die Kunstvermittlung. Die Dogo Kunstschule veranstaltet vielfältige Workshops und Projekte. Das Jahr wird jeweils abgerundet durch die Dogo Totale, der kuratierten Gruppenausstellung mit den entstandenen Werken. Die Dogo Residenz für Neue Kunst eröffnete am 1. März 2019 und wurde von Hanes Sturzenegger, Julia Wäckerlin, Marcel Hörler, Maura Kressig und Sirkka Ammann initiiert.

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Rathaus für Kultur. Photo: Hanes Sturzenegger

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Rathaus für Kultur. Photo: Hanes Sturzenegger

Sonja Hornung

Sonja Hornung, Sperre II, 2019. Photo: Hanes Sturzenegger

Offenes Atelier

Open Studio. Photo: Hanes Sturzenegger

Patrick Ostrowsky

Patrick Ostrowsky, BURNING!, 2019. Photo: Hanes Sturzenegger

Weiter

Während die Touristin mit der Gondelbahn zum Gipfel fährt und ein Flüchtling seine Heimat verlässt, arbeitet der digitale Nomade irgendwo auf seinem Boot. Noch nie hat sich die Mobilität auf so mannigfaltige Art und Weise manifestiert wie heute. Die räumliche, soziale und virtuelle Mobilität ist längst zum Grundprinzip einer globalen und vernetzten Welt geworden. Wer mobil ist, ist empfänglich – offen für Neues, vielleicht Besseres. Ebenso fordert die Mobilität von den Menschen eine geistige und körperliche Beweglichkeit. Sie bricht auf der einen Seite soziale Strukturen auf und verstärkt auf der anderen Seite die Wahrnehmung bestehender, ungleicher Voraussetzungen. Der weitgefasste Begriff Mobilität stand im Blickpunkt von «Weiter». Im Rahmen von «Weiter» entwickelten Christian Eberhard, Collectif Chuglu, Damiano Curschellas, Gisa Frank, Lino Bally, Flurina Brügger, Iris Brodbeck, Marc Jenny, Matthias Rüegg und Robin Michel Werke en route. Dabei präsentieren sie vom 9. bis 23. September 2017 an drei unterschiedlichen Verkehrsknotenpunkten im unteren, im mittleren und im oberen Toggenburg ihre Werke. Die Ausstellung entstand als Koproduktion zwischen den Kunsthalle[n] Toggenburg und Arthur Junior.

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Gisa Frank, Iifahre – Usfahre, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

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Robin Michel, Ferrari, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

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Flurina Brügger, Iris Brodbeck, Gesprächsteppich, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

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Collectif Chuglu, Immense comme un detail, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

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Matthias Rüegg, Please Wait Over There, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Water Walling, Collectif Chuglu, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Marc Jenny

Marc Jenny, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Gisa Frank, Iifahre – Usfahre, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Matthias Rüegg, Ignore, 2017. Photo: Matthias Rüegg

Matthias Rüegg, You're Completely Wrong, 2017. Photo: Matthias Rüegg

Christian Eberhard, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Imagine Rhythm

Imagine Rhythm nutzte die Ausdruckskraft von Tanz und Film, um interkulturelle und sprachliche Hindernisse zu überwinden. Eine Gruppe von 34 gehörlosen und hörenden Jugendlichen aus Armenien, der Schweiz und Deutschland produzierte während zehn Tagen, zusammen mit der Choreografin Melanie Alexander und dem Tanz Coach Hayk Hobosyan, eine Tanzperformance und zeigte sie im August 2017 im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. Durch einen integrativen Ansatz konnten die Teilnehmer*innen ihre eigenen Bewegungsabläufe nutzen, ihre Fähigkeiten einsetzen und in eine zeitgenössische Tanzperformance integrieren. Die gesamte Aktivität wurde von einer Gruppe filminteressierter Teilnehmer*innen in Zusammenarbeit mit dem Dokumentarfilmer und Produzenten Seg Kirakossian vor Ort gedreht, um den Lernprozess zu dokumentieren. Das Projekt wurde auch entwickelt, um den Teilnehmer*innen Wissen darüber zu vermitteln, wie sie soziale Initiativen umsetzen können. Neben dem Tanzworkshop fand eine Gruppendiskussion statt, bei der die Probleme und Bedürfnisse gehörloser Menschen im Mittelpunkt standen, um das Bewusstsein für die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern. Das Projekt war eine Zusammenarbeit zwischen Subkult und Doctor Cinema NGO.

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Rehearsal. Photo: Stefan Tschumi

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Rehearsal. Photo: Seg Kirakossian

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Rehearsal. Photo: Stefan Tschumi

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Performance. Photo: Stefan Tschumi

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Performance. Photo: Stefan Tschumi

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Performance. Photo: Stefan Tschumi

Shopping

Catherine Xu, Samuel Koch, Nina Emge, Lucie Biloshytskyy, James Stephen Wright, Domingo Chaves, Edmée Laurin, Fridolin Schoch und Martina Mächler erhielten am 9. Juli 2016 sechs orange Kuverts. Sechstausend Schweizer Franken, ausgehändigt in Tausendernoten – die wertvollste Banknote der Welt. Die Künstler*innen hatten die Aufgabe das ganze Geld an der Oberen Bahnhofstrasse, der Einkaufsmeile von Wil auszugeben. Aus den eingekauften Waren entstanden die Werke, die vom 30. Juli bis 13. August 2016 der Öffentlichkeit präsentiert wurden. «Shopping» behandelte ein Thema, das die Gesellschaft und die Kunstwelt seit je her bewegt. Wir wollen es, wir lieben es und wir tun es. Und das von jung bis alt. Ob bewusst, ökologisch oder verschwenderisch. Wir kaufen ein, wir wählen aus und Einkaufen soll Spass machen, oder etwa nicht?! Darum behandelte die Cross-Media-Kunstaktion das Konsumieren als Akt des Lebens und stellte Fragen. Fragen über die Ware Kunst, Fragen zur künstlerischen Arbeit, Fragen über Investment. Die künstlerischen Prozesse wurden dokumentiert und waren Teil der Ausstellung, die von Arthur Junior und der Stadt Wil initiiert wurde. Als Kooperationspartner beteiligte sich das Grafikstudio Badesaison.

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Fridolin Schoch, Edmée Laurin, Fridolin Schoch, Limited Time Offer, 2016. Photo: Hanes Sturzenegger

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Graphic Design, Badesaison, 2019. Photo: Hanes Sturzenegger

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Lucie Biloshitskyy, papier. wert. papier, 2017. Photo: Lea Huser

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James Stephen Wright, Argent, 2017. Photo: Lea Huser

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Limited Time Offer, Domingo Chaves, Edmée Laurin, Fridolin Schoch, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Catherine Xu

Catherine Xu, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger

Martina Mächler

Martina Mächler, 100%@work / do what you love, 2016. Photo: Hanes Sturzenegger

Domingo Chaves, Edmée Laurin, Fridolin Schoch, Limited Time Offer, 2017. Photo: Hanes Sturzenegger


Medien


Referenzen

Förderungen
Albert Köchlin Stiftung, Arnold Billwiler Stiftung, C. und A. Kupper Stiftung, Dr. Adolf Sreuli-Stiftung, Dr. Fred Styger Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Ernst & Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil, Gemeinde Richterswil, Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St. Gallen (GGK), Hans und Wilma Stutz Stiftung, Kanton St. Gallen Kulturförderung, Kanton Zürich Fachstelle Kultur, Kulturförderung Kanton Appenzell Ausserrhoden, Kulturförderung Kanton Graubünden, Kulturministerium der Republik Armenien, Kultur Toggenburg, Migros Kulturprozent, Movetia Austausch und Mobilität, Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung, Stadt Wil, Stiftung für Ostschweizer Kunstschaffen, Stiftung Temperatio, Swisslos, Temperatio Stiftung


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